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Die vierte Reise - Arkadien

Il buon pane di Matera

In unserem Bed & Breakfast bekommt man tatsächlich das beste Brot überhaupt, il buon pane di Matera, das hier bei einem Fest mit dem Plakat "Pane e pace", Brot und Frieden, gefeiert wird:

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Dazu gibt es Tomaten:
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Und man kann im Ort auch Käse mit einer Rinde aus Weinmost kaufen:
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Oder auch andere Leckereien aus der Region:
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Christus kam nur bis Eboli

Mit den Worten "Christo si è fermato a Eboli" begrüßt uns unser Gastgeber in Matera. Dieser Romantitel, einst als ein Zeichen für das höchste Elend gewählt, ist heute auch zum touristischen Spruch geworden. Unser Gastgeber ist hier in Matera, in der Gegend der "Sassi", den Berghöhlen, geboren. Sein "Bed & Breakfast" liegt inmitten der Sassi und rühmt sich seines Frühstücks mit dem "guten Brot von Matera", "buon pane di Matera", und frischen Tomaten - und es hält das Versprechen. Matera und die sagenhaften Sassi verschlagen einem den Atem. In den Steinhöhlen hausten früher die Menschen unter miserablen Umständen - und trotzdem bieten sie einen erstaunlich großartigen Anblick, der auch gerne als Filmkulisse genutzt wurde (Pier Paolo Pasolinis "Matthäusevangelium" und Mel Gibsons "Die Passion Christi").

Sassi in der Nacht:

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"Es sind Höhlen, die man in die verhärtete Lehmwand der Schlucht gegraben hat: jede hat vorn eine Fassade; einige sind ganz hübsch, mit ein paar bescheidenen Ornamenten, im Stil des achtzehnten Jahrhunderts. Wegen der Neigung des Hanges beginnen diese fingierten Fassaden unten hart am Berg. [...] Die Türen standen wegen der Hitze offen, und ich sah in das Innere der Höhlen, die Licht und Luft nur durch die Türe empfangen. Einige besitzen nicht einmal eine solche; man steigt von oben durch Falltüren und über Treppchen hinein. In diesen schwarzen Löchern mit Wänden aus Erde sah ich Betten, elenden Hausrat und hingeworfene Lumpen. Auf dem Boden lagen Hunde, Schafe, Ziegen und Schweine. Im allgemeinen verfügt jede Familie nur über eine solche Höhle, und darin schlafen alle zusammen, Männer, Frauen, Kinder und Tiere. So leben zwanzigtausend Menschen. [...] Ich sah Kinder auf der Türschwelle im Schmutz unter der glühenden Sonne sitzen mit halbgeschlossenen Augen unter roten geschwollenen Lidern; die Fliegen setzten sich auf die Augen, aber sie rührten sich gar nicht, sie verjagten sie nicht einmal mit der Hand. Ja, die Fliegen krochen ihnen über die Augen, und sie schienen es nicht zu spüren. [...] Aber der größte Teil hatte dicke, riesige, aufgetriebene Bäuche und von Malaria bleiche, leidende Gesichter."

So beschrieb die Schwester von Carlo Levi, eine Ärztin, was sie in Matera gesehen hat, wo sie in der Quästur für ihren Bruder um eine Versetzung in eine von Malaria freie Gegend bitten wollte.

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In der Stadt der "trulli"

Wir haben Alberobello besucht. Auch hier in der Nähe wurden die Menschen in der Mussolini-Zeit interniert, heute ist die Stadt, die vor allem aus Bauten namens "trulli" besteht, zum UNESCO-Weltkulturerbe geworden. Die ursprünglichen Hirtenhäuser erinnern stark an ähnliche Hirtenhäuser in Istrien und in Dalmatien. Sie sehen aus wie Zwergenhäuser in einer Märchenlandschaft.

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Zeichen, die auf die Dächer der "trulli" gemalt werden:

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Taranto

Wenn wir an Italien denken, dann stellen wir uns Rom, Florenz oder Venedig vor, nicht Taranto. Diese Stadt wirkt verwahrlost, vernachlässigt und arm, obwohl auch hier Beispiele schöner Architektur zu finden sind. Die Arroganz, mit der innerhalb Italiens auf den armen Süden herabgeblickt wird, erinnert auch an die Verachtung, mit der "i slavi" bedacht werden, die Slawen, womit vor allem die Südslawen gemeint sind, meist Slowenen und Kroaten. Diese Verachtung übertragen jedoch die Slowenen und die Kroaten häufig auf ihre Nachbarn, etwa die Bosnier und die Serben. Dabei sind alle zusammen unzertrennbar in die gemeinsame europäische Geschichte verwickelt.

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An der Bushaltestelle in Taranto.

Martina Franca bei Nacht

Wir haben im Café "Tripoli" Birnenkuchen gegessen und gehen durch die Stadt. Pina ist aus Taranto - einem unserer Ziele, denn aus dem Hafen in Taranto sind damals auch Schiffe nach Afrika abgegangen - aber sie findet Martina Franca viel schöner (wir übrigens auch, aber das wissen wir noch nicht).

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Martina Franca am Tag

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Pina zeigt uns alles, sie fährt uns in ihrem kleinen Fiat ins Internet-Café und ist unglaublich freundlich und aufgeschlossen. Sie weiß, dass die Italiener aus dem reichen Norden sie im ärmeren Süden verachten und kaum je bis hierher kommen - und wir schütteln alle gemeinsam traurig den Kopf. Wir finden es hier im Süden wunderbar!

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Martina Franca

Wir sind auf den Spuren der zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs, und obwohl wir wissen, dass viele Kroaten aus Dalmatien nicht nur als politische Gegner - da Verwandte der Partisanen und Kommunisten - in Lager nach Italien gebracht wurden, sondern auch von den Faschisten als ethnische "Gegner" - genauso wie die Slowenen - eingestuft wurden, können wir nicht umhin, festzustellen, dass die Ähnlichkeiten zwischen unseren Ländern vor allem hier im Süden sehr groß sind. In jeder Hinsicht.

Die sehr freundliche Bed & Breakfast-Wirtin Pina erklärt uns, dass im Hinterhof unseres Hauses die Nachbarn morgens "in pigiamino" Kaffee trinken. Das gefällt uns sehr, und dieser Ausdruck geht sofort in unseren Sprachgebrauch ein.

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Hier wird morgens "in pigiamino" gemeinsam Kaffee getrunken.

Auf den Reisen im Süden

Wir steigen in Lecce in den Zug, an einem Bahngleis, dessen Nummerierung an den Bahnhof mit dem Zug nach Hogwarths in "Harry Potter" erinnert. Mit diesem bunten Zug, der sehr langsam voran kommt und manchmal die Fahrt unterbricht, so dass alle Passagiere ein Stück mit dem Bus fahren müssen, um mit dem nächsten bunten Zug die Reise fortsetzen zu können, kommen wir nach Martina Franca.

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Es ist eine arme Gegend, durch die wir fahren.

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Wegweiser

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Finis terrae: Santa Maria di Leuca

In dieser Gegend bauten die reichen Stadtbewohner aus Bari, Lecce oder Otranto, aber auch aus Neapel oder Rom, prachtvolle Villen, die sich nun in einer eklektizistischen Vision aus dem Neoklassizismus und Orientalismus über das weite, blaue Meer erheben. Das war im 19. Jahrhundert, als die Angst vor den Sarazenen nach dem endgültigen Verfall des Osmanischen Reiches verschwunden war und als in dieser Gegend die Malaria ausgerottet wurde. Hinter den verschlossenen Fensterläden ahnen wir maurisch-bequeme und westeuropäisch-dekadente Liegen, Kristalllüster an den Stuckdecken und kalte, rötliche, rosafarbene und grüne Mosaiksteine auf dem Boden. Es ist seltsam still, die Sonne verwandelt alles in weiß-blau-grüne Streifen, wir haben unsere Sonnenbrillen aus den Taschen geholt, uns ins Café gesetzt und verharren schweigend eine Stunde in dieser bezaubernden Schönheit. „Veniamo dalla Croazia“ erklärten wir dem neugierigen Kellner, der entzückt war, obwohl er nicht den Eindruck hinterließ, ganz genau zu wissen, wo Croazia liegt. Er war von jedem Gast begeistert, und seine Gastfreundschaft verriet uns, dass trotz der Villenpracht um uns, die Menschen hier im Süden Italiens noch mmer hart um ihr tägliches Brot kämpfen und deswegen bereit sind, ihr Brot auch mit dem Unbekannten zu teilen. Er lud uns zum Grillen zu seinen Freunden ein.

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