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Die dritte Reise

Zwei Denkmäler

Im ersten Weltkrieg wurde Serbien von Frankreich gerettet. In Belgrad gibt es ein Denkmal, auf dem steht: "Wir lieben Frankreich, so wie es uns geliebt hat". Und darunter 1914-1918. Da das Wort Frankreich im Serbischen weiblich ist, klingt das auf Serbisch viel besser. Es ist eine Art Mutter-Kind-Liebe, aber auch eine Kameradschaft, die durch ein Liebesvokabular ausgedrückt wird.

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Und auf einem anderen Denkmal steht der berühmte Gruß der Partisanen, der auch in den ersten Tagen des sozialistischen Jugoslawien immer wieder ausgerufen wurde: "Tod dem Faschismus - Freiheit dem Volk!"

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Belgrad

Ich habe einst in Belgrad gelebt. Auch meine Tante Nera hat in Belgrad gelebt. Belgrad war die Hauptstadt des enigmatischen Landes, das vier Mal den Namen wechselte, bevor es endgültig zerfiel. Die Rolle dieser Stadt beim Zerfall ist vielschichtig und nicht einfach zu beschreiben. Die Stadt ist von vielen Spuren gezeichnet und erscheint in der Kälte und im Schnee als leicht melancholisch und ein wenig perspektivlos, als irgendwie einsam, aber auch als groß und souverän. Wir schlagen uns von einer Behörde zur nächsten durch und haben viel Spaß. Meine Cousine hat gerade eine schwere Krankheit überstanden und genießt es, mit mir durch die Stadt zu gehen. Wir treffen uns immer in meinem Hotel und unernehmen von dort aus unsere Streifzüge. Sie wohnt in einer winzigen Wohnung auf der einer Seite der Großstadt, und ihre Schwester mit zwei erwachsenen Söhnen in einer anderen winzigen Wohnung auf der anderen Seite. Die Wohnungen sind ca. 40 m² und 50 m² klein und befinden sich in den Betonsiedlungen, die einst der ganze Stolz des sozialistischen Bauwesens waren. Deswegen laufen wir lieber durch das Zentrum, wo noch etwas von der königlichen und sonstigen Hauptstadtpracht zu spüren ist. Auch diese hst einen Hauch von Elend und Vernachlässigung , man spürt aber noch die besseren Zeiten.

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Lager "Ciglana"

Meine Cousine und ich mühten uns wieder durch den Schnee, fuhren mit unserem Taxi-Fahrer von einem Stadteil in den anderen, aber niemand konnte uns viel über das Lager namens "Milišića ciglana" sagen.

Es sieht so aus, dass sich die Spuren - wie immer in dieser Geschichte, in der es sich um meine Familie handelt - verwischen - oder meine Verwandten verwandeln sich zu Serben (wie Benjamin und Elvira, die auf einer ominösen Internetseite, die den serbischen Opfern im Lager "Jasenovac" gewidemt ist, genannt werden). Auf dieser Internetseite werden ALLE Opfer des Zweiten Weltkriegs in Jugoslawien kurzerhand zu von den kroatischen Ustascha im Lager Jasenovac getöteten Serben erklärt. Als gäbe es nicht genügend serbische Opfer, die namentlich genannt werden können! Eine andere Website, die ebenfalls diesem Lager gewidmet ist, enthält auch diese Liste aller Opfer und suggeriert, dass es sich ausschließlich um serbische Opfer handelt, obwohl es auf dieser Seite zumindest einen Hinweis darauf gibt, dass hier eigentlich alle Opfer aufgelistet sind - dieser Hinweis ist allerdings nicht sehr eindeutig. Ein trauriger Handel mit den Namen der Toten, grotesker als in den "Toten Seelen" von Gogol, einige werden als Italiener geführt (wie Nera und Luiđa im italienischen Lager Fraschette di Alatri), andere bleiben namenlos (wie Branko), aber kaum jemand wird als Kroate geführt, mit Namen und Nachnamen. Auch gibt es keine systematische Forschung darüber, wie ihre Wege und ihre Schicksale verliefen.

Sah so das Ziegelwerk aus?

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Oder so?

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Lager "Staro Sajmište"

In dem einst wunderschönen Messebau aus dem Jahr 1937, der gerne als Zeichen für die Entwicklung der serbischen bürgerlichen Gesellschaft jener Zeit gesehen wird und der zur urbanistischen Keimzelle des heutigen Novi Beograd wurde, befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Vernichtungslager - das "Judenlager Semlin". Dieser Bau, in der Tradition des Bauhauses errichtet, die für die Verbindung von Ästhetik Funktionalität steht, wurde also zynischerweise "funktionalisiert" und für unmenschliche Zwecke verwendet. In diesem Lager wurden zwischen 1941 und 1942 7000 jüdische Frauen, Kinder und alte Menschen getötet, danach wurde der "Anhaltelager Semlin" gegründet, in dem Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Serbien, Bosnien, Kroatien, Griechenland und Albanien untergebracht waren, bevor sie in andere Lager verteilt wurden. Zwischen 1942 und 1944 passierten über 32.000 Gefangene dieses Lager, davon wurden 10.000 entweder hier oder auf dem Transport an andere Orte getötet oder sind an den Folgen von Hunger, Folter und Krankheiten gestorben (diese Angaben habe ich einem Zeitungsartikel, der dem Film "Messegelände - Die Geschichte eines Lagers" gewidmet ist, entnommen. Der Film wurde von B 92 produziert, und eine Lektorin dieses Medienhauses machte mich darauf aufermksam). Da dieses Lager durch Bombenangriffe der Alliierten beschädigt wurde, kam Oliva ins Lager "Ciglana".

Lager "Banjica"

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Meine Cousine und ich machen uns mit einem freundlichen Taxi-Fahrer, der einen dunkelblauen Trainingsanzug mit weißen Streifen trägt und einen ansehnlichen Schnurrbart hat, auf die Suche nach den deutschen Lagern in Belgrad. Wir stapfen durch den Schnee und unterhalten uns über dies und das. Zuerst besuchen wir das Lager "Banjica", in dem sich ein Museum befindet. Obwohl wir uns telefonisch angemeldet haben, da die Öffnungszeiten nicht genau geregelt sind, ist der Kustos irgendwohin verschwunden, und wir erkunden das Museum auf eigene Faust.

In Belgrad

Ich bin nach Belgrad gekommen, um Spuren meiner Großmutter Oliva im Lager "Banjica" zu finden. Es stellt sich jedoch heraus, dass sie in einem anderen Lager war, in einer alten Ziegelfabrik. Meine Cousine und ich bekommen im Archiv des Historischen Museums den Auszug, auf dem ihr Weg vermerkt ist:

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