[>>]

Christus kam nur bis Eboli

Mit den Worten "Christo si è fermato a Eboli" begrüßt uns unser Gastgeber in Matera. Dieser Romantitel, einst als ein Zeichen für das höchste Elend gewählt, ist heute auch zum touristischen Spruch geworden. Unser Gastgeber ist hier in Matera, in der Gegend der "Sassi", den Berghöhlen, geboren. Sein "Bed & Breakfast" liegt inmitten der Sassi und rühmt sich seines Frühstücks mit dem "guten Brot von Matera", "buon pane di Matera", und frischen Tomaten - und es hält das Versprechen. Matera und die sagenhaften Sassi verschlagen einem den Atem. In den Steinhöhlen hausten früher die Menschen unter miserablen Umständen - und trotzdem bieten sie einen erstaunlich großartigen Anblick, der auch gerne als Filmkulisse genutzt wurde (Pier Paolo Pasolinis "Matthäusevangelium" und Mel Gibsons "Die Passion Christi").

Sassi in der Nacht:

P9260778

"Es sind Höhlen, die man in die verhärtete Lehmwand der Schlucht gegraben hat: jede hat vorn eine Fassade; einige sind ganz hübsch, mit ein paar bescheidenen Ornamenten, im Stil des achtzehnten Jahrhunderts. Wegen der Neigung des Hanges beginnen diese fingierten Fassaden unten hart am Berg. [...] Die Türen standen wegen der Hitze offen, und ich sah in das Innere der Höhlen, die Licht und Luft nur durch die Türe empfangen. Einige besitzen nicht einmal eine solche; man steigt von oben durch Falltüren und über Treppchen hinein. In diesen schwarzen Löchern mit Wänden aus Erde sah ich Betten, elenden Hausrat und hingeworfene Lumpen. Auf dem Boden lagen Hunde, Schafe, Ziegen und Schweine. Im allgemeinen verfügt jede Familie nur über eine solche Höhle, und darin schlafen alle zusammen, Männer, Frauen, Kinder und Tiere. So leben zwanzigtausend Menschen. [...] Ich sah Kinder auf der Türschwelle im Schmutz unter der glühenden Sonne sitzen mit halbgeschlossenen Augen unter roten geschwollenen Lidern; die Fliegen setzten sich auf die Augen, aber sie rührten sich gar nicht, sie verjagten sie nicht einmal mit der Hand. Ja, die Fliegen krochen ihnen über die Augen, und sie schienen es nicht zu spüren. [...] Aber der größte Teil hatte dicke, riesige, aufgetriebene Bäuche und von Malaria bleiche, leidende Gesichter."

So beschrieb die Schwester von Carlo Levi, eine Ärztin, was sie in Matera gesehen hat, wo sie in der Quästur für ihren Bruder um eine Versetzung in eine von Malaria freie Gegend bitten wollte.

P9260747

P9260662

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

User Status

Du bist nicht angemeldet.

BesucherInnen (seit 11.08.2008)

Aktuelle Beiträge

So ist wunderschön...
So ist wunderschön geschrieben! Obwohl deutsch...
V. Julia V. (Gast) - 23. Sep, 23:25
Abschied von Vodice
Ich verabschiede mich von Vodice. Ich habe noch einmal...
Fabion - 12. Sep, 19:04
Oliva
Ich habe dieses Foto des heiligen Baums in Matera...
Fabion - 12. Sep, 18:57
Die Kapern
Eine der Inseln in diesem Archipel heißt Kaprije...
Fabion - 12. Sep, 18:43
Die Frauen
Es gab Tage, an denen meine Großmutter Oliva,...
Fabion - 12. Sep, 18:39

Meine Abonnements

Suche

 

Status

Online seit 568 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 25. Sep, 21:46

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB