Otranto, 2

Unsichtbare Mächte treiben die Wolken irrsinnig schnell vor sich her, bewegen Wellen, lassen das Meer scharf nach Algen und Salz riechen. Eine hohe Bronzestatue auf einem eleganten Sockel aus Stein drückt mit beiden Händen fest ein Kreuz an ihre Brust.

Der Sockel ist elegant, weil wir in Italien sind und obwohl sich Otranto voll roher Kraft präsentiert, als wäre es von Slawen erbaut (so die gängige italienische Vorstellung über die Slawen, den auch wir gerne bemühen, doch der slawische Bruder Dubrovnik ist eindeutig vornehmer, und über dieses Wunder zerbrechen wir uns den Kopf), sind derartige Stilbrüche unvermeidlich. Später essen wir im Restaurant „Il cantico dei cantici“ Fischlasagne.


Als uns die Wirtin den Obstteller als Nachtisch bringt, ist die mächtige Stadt schon wieder ganz zahm. Niemand kann einen Obstteller so arrangieren und servieren wie eine italienische Wirtin, sogar wenn es in einem Ort wie Otranto geschieht.

Fabion - 10. Sep, 20:51












