Salz

Die Tanten und der laute Onkel haben sich für das Treffen mit mir vorbereitet, sie haben sich Notizen gemacht, sie haben Fotos zusammengesammelt, der Onkel eine Reihe eigener Fotos aus der Zeit, als er ein junger Partisan war, die ältere Tante die traurigen Fotos mit ihren Brüdern. Die jüngere hat auch versucht, sich Notizen zu machen, aber sie ist zu unruhig dafür, frag mich nur nach allem, sagt sie, dann erzähle ich es dir schon. Der Onkel sagt, er hätte Gedichte und Erzählungen geschrieben, er würde sie mir alle geben, alles sei in einem schwarzen Koffer verstaut.
Aber sie erzählen chaotisch, ich fülle mein schönes Moleskine-Notizbuch, das ich von der Robert Bosch Stiftung bekommen habe, mit Aufzeichnungen, bringe aber schon beim Schreiben alles durcheinander, ich kann die drei Frauen von Ive Čače nicht auseinander halten und all ihre Kinder. Eine der vielen Episoden betrifft einen armen Arbeiter aus Zagreb. Der hatte mit einer Partisaneneinheit in einem Dorf gewohnt, die Bauern hatten die Partisanen bekocht. Es gab kein Salz, so dass eine alte Bäuerin den Arbeiter fragte, ob er ihr etwas Salz aus Primorje mitbringen könnte. Sie gab ihm Geld, doch er kam zurück – ohne Geld und ohne Salz. Was hat er mit dem Geld getan? Das hat man nie erfahren. Um Strenge und Gerechtigkeit zu demonstrieren, erschossen ihn seine Kameraden vor den Augen der versammelten Bauern…
Fabion - 2. Feb, 11:19












