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Montag, 16. Juni 2008

Der Waisenjunge

Ich könnte den Roman auch so anfangen:

Das Zimmer, in dem ich dem Mann mit den vielen Namen zum ersten Mal begegnet bin, war dunkel, geräumig, gefüllt mit polierten braunen Möbeln, nicht ohne Alterspatina, die auf mich wie die kostbarsten Antiquitäten wirkten und dabei wahrscheinlich nur eine relativ einfache handwerkliche Anfertigung für die bescheidene dalmatinische bürgerliche Schicht waren.

Die späteren industriellen Möbel, die als Revolution betrachtet wurden (damals war alles eine Revolution), haben wir erst später als hässlich empfunden. Am Anfang, als die ersten Wandregale aus Sperrholz, die sowohl „naturfarben“ wie auch bunt sein konnten, Einzug in die kleinen 2- und 3-Zimmer Wohnungen der sozialistischen Bauweise hielten, fanden wir alle sie toll, obwohl wir doch – das denke ich jetzt im Nachhinein – gespürt haben, dass man uns hier einen billigen Massenersatz anbot.

Die Bürger unterschieden sich damals im Split der frühen 60er von den geradezu absolut dominierenden Proletariern und Bauern dadurch, dass sie morgens in einem der beiden Stadtcafés ausgiebig ihren Kaffee tranken und dabei Zeitungen lasen. Sie trugen auch Hüte und weiße Anzüge – weiße Anzüge sieht man heute kaum noch, außer in den Filmen über die italienischen Mafiosi, die dann darunter schwarze Hemden tragen.

Diese Umkehrung der Farben entbehrt nicht jeder Eleganz, und doch wirkt sie geschmacklos, weil sie anders ist – die Mehrheit trägt schwarze Anzüge und darunter weiße Hemden, und da sich diese mehrheitliche und durchaus sinnvolle Aufteilung (schwarze Anzüge sind sicher weniger schmutzanfällig als weiße, und Hemden sind leichter zu waschen als Anzüge) durchgesetzt hat, können nur diejenigen, die in irgendeiner Form abtrünnig geworden sind, weiße Anzüge tragen.

Die damaligen Bürger der Stadt Split orientierten sich einerseits am Klima (in Split wachsen Palmen) – man trug weiß, weil es darin weniger heiß war – und andererseits an einem gewissen europäischen Schick, der zu jener Zeit herrschte und der auch dank der Ähnlichkeit mit der Mafia-Mode etwas von der großen weiten Welt andeutete.

Split und seine Palmen:
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