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Montag, 16. Juni 2008

Die drei Schwestern

Ich sitze im Bett im Hotel Kristina in Vodice. Die ersten Seiten des Romans, der die Suche nach den Spuren meiner Urgroßmutter und meiner Großmutter werden soll, könnte ich mit den Gefühlen füllen, die dabei entstehen, wenn man an den Ort der eigenen Kindheit zurückkehrt, einen Ort, in dem das alte Familienhaus steht, um dort in einem schlechten Hotel Stellung zu beziehen, die Gerüche von Feuchtigkeit, der schlechten Küche und der alten Möbel einzuatmen und die Notizen durch zu blättern, die am Nachmittag in der kleinen Küche meiner Tante aufgenommen wurden.
Hotel-Kristina
Ich könnte auch mit dem Haus anfangen. Der Roman könnte eine Hausstruktur bekommen. Unser Haus steht immer noch mitten im Dorf, die grünen Fensterläden sind morsch und geschlossen, das Haus, das mir einst sehr groß vorkam, fällt in sich zusammen, es ist verlassen, und die Aufteilung zwischen den Schwestern ist zwar abgeschlossen, aber leider in einer Weise, die jede Rettung des Hauses unmöglich gemacht hat. Die jüngste, die vor Ort lebt, will unbedingt die beiden anderen Teile kaufen, ihr gehört das Erdgeschoss und der Hof, in dem immer noch der Rosenbusch meiner Großmutter Oliva blüht, von dem die Rosen stammen, die meine Mutter ihr ans Grab legt, wenn sie es besucht. Die mittlere Schwester, die auf einer dalmatinischen Insel lebt, will aus sentimentalen Gründen unbedingt ihren Teil (die Mitte des Hauses) behalten, hat aber kein Geld, um es zu renovieren, die älteste - meine Mutter - ist wie immer indifferent, und da sie sich mit der jüngeren Schwester gut versteht, würde sie dieser den eigenen Anteil am liebsten schenken. Ihr gehört die zweite Etage und das Dach - sozusagen der Kopf des Hauses. Es ist eine symbolische Ordnung, die sich in diese Aufteilung eingeschlichen hat. Es gibt Themen, die man mit meiner Mutter nicht besprechen kann. Dieses gehört dazu: ihre Schwestern. Oder das Haus. Die Teilung des Hauses. Der Roman würde also auf tabuisierten Themen gründen und drei Teile haben…
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Den ganzen Tag habe ich mich im Ort neu orientiert. Das verlassene Haus, in dem in meiner Erinnerung immer noch meine Großmutter Oliva auf einer Ottomane thront, sich entweder mit einem Fächer kühlt oder mit verbundenem Kopf und geschlossenen Augen unbeweglich daliegt und ab und zu über ihre Migräne klagt, ist noch immer das Herz dieses Städtchens.
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